Sefer Thora in der JOS
Die Jüdische Oberschule hat ihre Pforten vor 15 Jahren für jüdische und nichtjüdische Kinder geöffnet und der Religionsunterricht, den alle Schülerinnen und Schüler besuchen, ist vor 10 Jahren in die Oberstufenphase eingetreten, sodass neben der Religionslehre auch die jüdische Philosophie im Mittelpunkt des Lehrens und Lernens steht.
Bibelunterricht oder Religionsunterricht, egal wie man es nennt, eins fehlte bisher an der JOS, was sicher kaum ein Außenstehender vermuten würde: eine eigene Thorarolle.
Diese wurde nun am 5. Februar, im fünfzehnten Jahr des Bestehens der Schule, feierlich der Schule übergeben und in einer eindrucksvollen Zeremonie in den Aaron kodesh im Gebets- und Religionsraum gebracht.
Die Aula der Schule hat sicher schon viele Freudenfeiern gesehen, denn jährlich werden hier die Absolventen der Realschule und die Abiturienten gefeiert. Aber noch nie platzte die Aula schier aus allen Nähten, weil jeder der 433 Schüler dabei sein wollte, wenn die Thora Einzug in unser Lehrhaus hält.
Gemeinsam mit Lehrern und Schülern freuten sich nicht nur zahlreiche Eltern und Gemeindevertreter, sondern auch die neue Vorsitzende der Gemeinde, Lala Süßkind.
Dicht gedrängt standen die Schüler und hörten, wie die Direktorin, Barbara Witting, besonders den Schülern der zwölften Klasse und dem Elternvertreter dankte, auf deren Engagement es zurückzuführen ist, dass der Leiter des Religionsfachbereiches, Dr. Avraham Ehrlich, nun in seinem Unterricht die schuleigene Thorarolle verwenden kann. Dr. Ehrlich gebührt ganz besonderer Dank, denn er hat zusammen mit seinen Fachkollegen nicht nur den Gebets- und Religionsraum entsprechend eingerichtet, sondern auch die Zeremonie mit dem Gemeinderabbinern vorbereitet.
Die Rabbiner Ehrenberg und Roszwaski betonten dann in ihren Ansprachen auch die große Bedeutung, die sowohl einer schuleigenen Thorarolle, als auch dem Lernen im Allgemeinen zukommt. Darauf verwies auch die neue Schuldezernentin, Mirjam Marcus, die das Grußwort der Gemeinde überbrachte. Auch der Schülersprecher Schmuel Bersibes betonte den Gedanken des Lernens und zeigte mit seiner engagierten Rede einmal mehr, wie begeistert die Schülerschaft von diesem großen Geschenk war und ist. Der Dank aller Redner galt natürlich der Jüdischen Gemeinde, die ihrer Schule dieses Geschenk bereitete.
Im Anschluss an die Zeremonie, die immer wieder von freudigen Gesängen und Tänzen der Schüler unterbrochen wurde, trugen die Rabbiner und Schüler die Thorarolle durch die Schule zu ihrem Bestimmungsort und entrollten sie dort unter den erstaunten Blicken und Jubelrufen der Schüler in einem Gebetsraum, der eigentlich nur 15 Schülern Platz bietet. Diesmal drängten sich dort zeitweise mehr als dreißig begeisterte Schüler.
Hauke Cornelius