Jüdische
Oberschule


JOS intern

"March of the living"


Brücke sein als wichtigste Mitzwah

Jugendliche der JOS beim March of the Living

Als 1959 in Israel der 26. Nisan zum nationalen Gedenktag für die Opfer der Shoah erklärt wurde, hat sicher niemand daran gedacht, dass sich fast fünfzig Jahre später zehntausende junge Jüdinnen und Juden aus 23 Ländern in Auschwitz versammeln würden, um in einem großem Marsch der Lebenden der Opfer zu gedenken und ein deutliches Zeichen des „Never Again“ zu setzen.
1988 begann die Organisation „March of the Living International“ von New York aus diesen Gedenkmarsch zu organisieren, an dem in diesem Jahr mehr als 12.000 Jugendliche und zahlreiche polnische Gruppen teilnahmen.
Die einzige deutsche Gruppe wurde von den 40 Schülerinnen und Schülern der Jüdischen Oberschule gebildet, die seit mehreren Jahren den 11. Klassen die Möglichkeit eröffnet, an diesem Marsch teilzunehmen.
Die US-amerikanische Organisatoren formulieren als Ziel des „March of the Living“ die Geschichte des Holocaust zu lernen und alle nachfolgenden jüdischen Genrationen schwören zu lassen: Never Again!
Deshalb steht der Marsch der Lebenden im Zentrum des einwöchigen Aufenthaltes in Polen, der für die meisten Gruppen mit einem Besuch Israels und den Yom-Haazmaout-Feiern dort endet.
Diese besondere Erfahrung in Auschwitz durch das in der ganzen Welt bekannte Tor mit der Inschrift „Arbeit macht frei“ zu schreiten und vor sich und hinter sich tausende andere junge Juden zu wissen, sich in einem Meer von israelischen Fahnen zu bewegen, neben sich einen Rabbiner aus Südafrika, vor sich einen Zeitzeugen im Rollstuhl und mit US-amerikanischer Fahne, hinter sich einen Lehrer aus Australien, diese Erfahrung wirkt progressiv und ermutigend auf alle Beteiligten.
„Das Gespräch mit einem Zeitzeugen in einer der Baracken in Auschwitz-Birkenau, am Schauplatz des Geschehens, lässt die Geschichte lebendig werden und bleiben. Das abstrakte Wissen, das man sich in der Schule über die Shoah aneignet, nimmt durch den Marsch der Lebenden und das Verfolgen jüdischer Spuren in Galizien individuelle Formen an“, so fassten einige Elftklässlerinnen ihre Erfahrungen in Worte.
Der Marsch ist eingebettet in eine Studienreise, die die 72 Gruppen auf unterschiedlichen Wegen von Warschau nach Krakau führt und ihnen nicht nur die Geschichte der Shoah nahe bringt, sondern ihnen auch Einblicke in die längst vergangene jüdische Geschichte Polens gewährt. In Galizien besuchte die deutsche Gruppe nicht nur Majdanek, sondern auch die Gräber von Eli Melech und vom Seher von Lublin. In Krakau, wo heute nur noch – oder wieder – 30 jüdische Familien leben, begegneten sich Jugendliche aus der ganzen Welt vor den Synagogen, Museen und dem jüdischen Friedhof, den alle besichtigen wollten. Den Shabbat-Gottesdienst begingen die Berliner Schülerinnen und Schüler zusammen mit Jugendlichen aus Australien, den USA und Neuseeland.
In seiner Ansprache zu Beginn des Marsches formulierte Dr. Shmuel Rosenman, Chairman der March of the Living-Organisation:
„Ihr seid die Brücke zwischen der Vergangenheit und der Zukunft. Wenn ihr eure eigenen Kinder haben werden, dann werdet ihr die Zeugen der Zeugen sein. Ihr werdet euren Kindern von diesem Marsch und den Geschichten der Überlebenden, die diese euch anvertraut haben, erzählen. Das ist eure heilige Pflicht, eure wichtigste Mitzwah.“
Und deshalb werden sich auch im nächsten Jahr die Elftklässler der Jüdischen Oberschule im Geschichtsunterricht mit der polnisch-deutschen Geschichte befassen und dabei das Hauptaugenmerk auf die jüdische Geschichte legen, denn diesen Spuren werden sie beim „March of the Living“ 2009 zusammen mit Jugendlichen aus der ganzen Welt folgen.

Text und Fotos: Hauke Cornelius